SEO goes social, high quality content and less (bought) links. In den zwei Tagen SMX in München war Google+ und der Wandel der Suchmaschinen-Bewertungsverfahren ein bestimmendes Thema.

Rand Fishkin eröffnete mit einer impulsiven Keynote die Veranstaltung vor ca. 800 Teilnehmern. Er zeigte den Wandel in der Suche und dass SEO eine von mehreren Taktiken ist, bestimmte Marketing-Ziele zu erreichen.

Ohne auf die einzelnen guten bis sehr guten Sessions eingehen zu wollen – das Thema Social und der Wandel in der Suchmaschinen-Optimierung war überall implizit oder explizit das Thema. Durch den fehlenden Zugang zu den wichtigen Facebookdaten ist Google gezwungen eigene Social Graph-Daten zu erheben, um zu lernen, wie eine Community sich verhält und um Stück für Stück die sozialen Verbindungen und Aspekte der Meinungsführerschaft (wer ist Experte für welches Thema und empfiehlt welche URL) mit in die Suche einzubringen. Denn die sozialen Netzwerkdaten sind deutlich schwere zu „gamen“, als die Linknetzwerke. Auch wenn Google dieser Tage mit der Aufdeckung von Blognetzwerken und gekauften Links aufzuräumen scheint – der Weg Richtung social scheint klar zu sein, auch wenn es sicherlich kein rascher Wechsel sein wird.

Beeindruckend war der Präsentationsstil und die Inhalte der internationalen (also amerikanischen und britischen) Redner v.a. von Rand Fischkin, Wil Reynolds und Mr. Excel Richard Baxter. Man merkte jedem einzelnen einen gehörigen Spaß beim Performen an und sie schafften es in „awesome“ Speaks relevante Inhalte auf hohem Niveau zu vermitteln. Aber auch die deutschsprachigen Speaker standen in Sachen Niveau in der Regel den Kollegen keineswegs nach.

Key-Learnings

Wie es sich für eine gute Konferenz gehört, erhält man zahlreiche neuen Anknüpfungspunkte zu seinen eigenen Meinungen, Ideen und Ansätzen und hat viele neue Ideen, um die eigenen Vorgehensweisen und Ansichten nochmals zu überprüfen, zu verbessern und zu optimieren.

Ein paar der vielen Learnings aus den zwei Tagen SMX:

  • Auch wenn Google+ derzeit im Vergleich zu Facebook kaum von relevanten Zielgruppen genutzt wird, sollte man (als SEO) dabei sein. Google führt immer mehr Features ein, die Google+ mit der Search verbinden. So führt der rel=“author“ zu mit der Einbindung des Autorenprofils in den SERPs zu einer deutlich höheren CTR.
  • Die Ladezeit ist zwar ein Rankingfaktor, aber derzeit kein entscheidender. Die Crawlerbesuchsfrequenz ist jedoch höher und vor allem die Konversionsraten steigen mit schnelleren Websites. Laut Amazon sinkt mit jeden 100ms Geschwindigkeitsgewinn die Droprate um 1 Prozent.
  • 302 Redirects sind fast nie ein gutes Mittel der Wahl. Die 301er sollten genutzt werden, auch wenn bis dahin gesetzte soziale Signale dabei verloren gehen und auch die Linkpower häufig nicht vollständig auf die Ziel-URL übertragen wird. Ggf. also Alternativen nutzen, vielleicht einen Canonical einsetzen oder ähnliche Methoden wählen.
  • Konversionen passieren nicht auf der Landingpage, sondern im Kopf. Mit psychologischen Erkenntnissen kann man Conversion-Rate-Optimierung besser durchführen, als nur einen Button größer zu machen. Zum Beispiel führt Verknappung („nur noch 4 Zimmer frei“) dazu, dass die Conversionsraten deutlich steigern. Die Kunst ist, die implizite Zielgruppenmotivation zu verstehen und diese möglichst optimal zu bedienen.
  • Ob und in wie weit soziale Signale das Ranking beeinflussen kann keiner derzeit so genau sagen. Fakt ist, dass gut rankende Seiten mit hoher Sichtbarkeit auch entsprechend viele und gute soziale Signale haben. Was dabei die Henne und was dabei das Ei ist, weiß aber niemand (außer Google).
  • Die Suche wie wir sie heute kennen wird sich weiterentwickeln und in persönliche Assistenten integriert werden. Siri und Co. sind dabei die Anfänge. Bing geht hier spannende Wege, auch wenn die verbale Kommunikation mit dem Computer meiner Meinung nach nicht funktionieren wird als übliches Arbeitsinterface (man stelle sich ein Großraumbüro vor in dem jeder mit seinem Rechner spricht).
  • Das Venice-Update hat einmal mehr die alten, puren organischen 10er-SERPs aufgemischt. Eigentlich organische Treffer werden bei Vorhandensein eines Local-Eintrags als Places/Maps-Einträge angezeigt. Dabei kommen dann auch eigentlich nicht in den Top10 befindliche Einträge auf die erste Seite (bis zu sieben Stück).
  • Die Teller beim Mittagessen sind absichtlich klein gehalten, damit die Schlange sich langsamer abbaut.
  • Onpage-Optimierung ist (wieder) im Kommen – in Kombination mit einzigartigem, „awesome“ Content.
  • Linkbuilding wir immer stärker zur PR und emanzipiert sich endgültig vom bloßen Katalogeintragen und Bloglinks kaufen. Large Scale Linkbuilding ist wohlstrukturiertes und durchorganisiertes Linkbuilding, welches andere Webautoren auf eigenen, möglichst guten Content hinweist – also eben PR.

Die zwei Tage SMX 2012 waren in den Sessions sehr kompakt und von hohem Gehalt. Zwischen den Sessions war im Vergleich z.B. zur Campixx zwar deutlich weniger Zeit zum Networken, aber der Charakter und die Intention der SMX ist auch ein ganz anderer. Dafür trafen sich dann auf der After Dark Party SMX-, Tactixx- und Internet World-Besucher und man konnte gemeinsam feststellen, dass die Praterinsel auch ein Obergeschoss mit Essen bereithielt und sich dort prächtig auch über weitläufigere SEO-Themen unterhalten.

Die SMX 2012 war definitiv eine lohnende und gelungene Konferenz für Onlinemarketers mit Vorwissen.

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Sebastian Erlhofer
Sebastian Erlhofer

Sebastian Erlhofer ist Gründer und Geschäftsführer der mindshape GmbH. Seit 2002 beschäftigt er sich intensiv mit den Themen SEO, SEA und CRO. Er ist Autor des Buches "Suchmaschinen-Optimierung".

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