
Seit dem 31. August 2026 können Werbetreibende in Deutschland ChatGPT Ads selbst über den Ads Manager buchen. Damit wird der Kanal, den OpenAI zuvor in den USA getestet und anschließend schrittweise auf weitere Märkte ausgeweitet hat, erstmals praktisch nutzbar – nicht mehr nur als angekündigte Option.
Wer jetzt startet, überträgt möglicherweise zunächst seine Google-Ads-Logik: Keywords in Context Hints übersetzen, die gewohnte Landingpage verlinken – fertig. Genau dieser Ansatz führt in den ersten Wochen häufig zu enttäuschenden Ergebnissen, weil ChatGPT Ads nach einer anderen Logik ausspielt.
Wir zeigen deshalb, wie der Kanal funktioniert, wo seine Grenzen liegen und wie ein sinnvoller erster Test aussehen kann.
OpenAI hat ChatGPT Ads zunächst in den USA getestet und das Angebot anschließend schrittweise auf weitere Märkte ausgeweitet. Im August 2026 wurde der Zugang auf 31 europäische Märkte erweitert, darunter auch Deutschland. Seit dem 31. August 2026 lässt sich der Self-Service-Zugang über den Ads Manager nutzen – Unternehmen können eigene Kampagnen damit ohne Umweg über einen Vertriebskontakt anlegen.
Für Werbetreibende in Deutschland bedeutet das: ChatGPT Ads ist kein Zukunftsthema mehr, sondern ein Kanal, den Sie neben Google Ads, Microsoft Advertising, Meta oder LinkedIn testen können. Ob ein Test sinnvoll ist, hängt jedoch stark davon ab, wie gut Sie die Funktionslogik des Kanals verstehen – dazu gleich mehr.
Der Ads Manager folgt einer Struktur, die Ihnen aus dem SEA-Alltag vertraut vorkommen dürfte: Campaign, Ad Group, Ad. Auf den ersten Blick gibt es kaum Unterschiede zu Google Ads. Die entscheidenden Unterschiede liegen jedoch in den Details der einzelnen Ebenen.
01
Auf Kampagnenebene legen Sie Kampagnenziel, Budget, Laufzeit und grundlegendes Targeting fest. Zur Wahl stehen aktuell drei Kampagnenziele: Reichweite, Klicks und Conversions. Die eigentliche Gebotsstrategie legen Sie dagegen nicht auf Kampagnen-, sondern erst auf Anzeigengruppenebene fest – abhängig vom gewählten Ziel.
02
Innerhalb der Ad Groups definieren Sie thematische Bereiche über die Context Hints und legen die Gebotsstrategie für das jeweilige Kampagnenziel fest: Bei Klicks wählen Sie zwischen „Ergebnisse maximieren“ und einem manuellen Max.-CPC-Gebot, bei Reichweite steuern Sie über ein maximales CPM-Gebot, und bei Conversions setzen Sie auf oCPC (Klickabrechnung) oder oCPM (Impressionsabrechnung). Context Hints beschreiben Themen, Situationen oder Gesprächskontexte, in denen Ihr Angebot relevant sein könnte – etwa „Umzug in eine neue Stadt“ oder „Buchhaltungssoftware für kleine Teams“.
Auf Anzeigenebene legen Sie außerdem Tracking-Parameter und eine Standard-Ziel-URL fest. Diese wird für neu angelegte Anzeigen übernommen, lässt sich aber pro Anzeige einzeln überschreiben.
Wichtig für die Erwartungshaltung: Context Hints sind laut OpenAIs eigener Definition weder Keywords mit genauer Übereinstimmung noch Regeln für die Zielgruppenansprache. Sie garantieren also keine Auslieferung bei einem bestimmten Begriff, sondern beschreiben nur, in welchem Umfeld eine Anzeige grundsätzlich passen könnte. Wer eine Ad Group wie eine klassische Keyword-Liste aufbaut, verschenkt an dieser Stelle Potenzial.
03
Die eigentliche Anzeige im Format chat_card besteht aus dem Namen Ihres Unternehmens, einem Titel, einem Anzeigentext, einem Bild und der Ziel-URL. Bei der Ausspielung wirken mehrere Signale zusammen: der aktuelle Gesprächskontext, die erkennbare Nutzerintention, Ihre Context Hints sowie die Inhalte von Anzeige und Landingpage.
Das Format erfordert eine klare Verdichtung. Wer Anzeigentexte einfach aus Google Ads übernimmt, muss sie an dieser Stelle meist kürzen.
ChatGPT Ads stellt beim Targeting eine andere Frage als Google Ads. Bei Google Ads geht es meist darum, nach welchen Begriffen Ihre Zielgruppe sucht. Bei ChatGPT Ads steht dagegen im Mittelpunkt, in welchen Bedarfssituationen und Gesprächskontexten Ihr Angebot relevant werden kann.
Die zentrale Frage verschiebt sich damit von „Nach welchen Keywords sucht meine Zielgruppe?“ zu „In welchen Situationen, bei welchen Problemen und in welchen Entscheidungsprozessen kann mein Angebot relevant sein?“. Wer bislang vor allem mit klassischer Keyword-Recherche gearbeitet hat, muss beim Aufbau der Context Hints entsprechend umdenken und stärker in Bedarfssituationen statt in Suchbegriffen denken.
Ganz neu ist dieser Gedanke allerdings nicht: Auch Google Ads arbeitet mit Kampagnentypen wie Performance Max längst signal- und automatisierungsbasiert. Der eigentliche Unterschied bei ChatGPT liegt darin, dass der Gesprächskontext selbst Teil des Werbeumfelds wird – nicht darin, dass schlicht „keine Keywords“ mehr verwendet werden.
Beim Geo-Targeting lassen sich im Kampagnenmanager mittlerweile nicht nur Länder, sondern auch Bundesländer sowie einzelne Städte über Postleitzahlen ein- und ausschließen. Für lokal tätige Unternehmen aus Handwerk oder Einzelhandel eröffnet das deutlich mehr Steuerungsmöglichkeiten, als es beim Marktstart in Deutschland der Fall war.
Auf Kampagnenebene lässt sich zudem die Plattform eingrenzen: Neben „All platforms“ stehen Android App, Android Web, Desktop Web, iOS App und iOS Web zur Auswahl.
Zusätzlich lassen sich eigene Zielgruppen einrichten, sogenannte Custom Audiences. Für Einschluss-Targeting und Gebotsanpassungen benötigen Sie dafür mindestens 25.000 zugeordnete Personen, OpenAI empfiehlt sogar mindestens 100.000. Für den Ausschluss bestimmter Zielgruppen lassen sich auch kleinere Listen verwenden. Wer mit deutlich kleineren Zielgruppen plant, wird an dieser Stelle also ausgebremst.
Aktuell werden Anzeigen vor allem Nutzer:innen der werbefinanzierten Tarife Free und Go ausgespielt. Die kostenpflichtigen Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind werbefrei. Für B2B-Werbetreibende ist das relevant, weil ein Teil der professionellen ChatGPT-Nutzung vermutlich über diese zahlenden Tarife erfolgt.
Wie groß die tatsächlich erreichbare B2B-Zielgruppe über Free und Go ist, lässt sich aktuell nicht seriös beziffern. Genau diese Frage sollte ein erster Test beantworten.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Kanälen lassen sich am besten im direkten Vergleich betrachten:
| Merkmal | Google Ads | ChatGPT Ads |
| Ausgangspunkt | Nutzer:in gibt eine konkrete Suchanfrage ein | Nutzer:in formuliert ein Problem oder Bedürfnis in einer Unterhaltung |
| Steuerung | Keywords und Suchintention stehen zentral | Gesprächskontext, erkennbare Intention und Context Hints |
| Granularität | Sehr granular nach Suchbegriffen, Zielgruppen und Regionen steuerbar | Aktuell deutlich weniger granular |
| Benchmarks | Langjährige Erfahrungswerte verfügbar | Erfahrungswerte und Benchmarks müssen sich erst entwickeln |
Dabei lohnt sich eine Einordnung: Auch Google Ads arbeitet mit Performance Max längst signalbasiert und automatisiert. ChatGPT Ads ist also nicht allein deshalb neu, weil dort „keine Keywords“ verwendet werden. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass der Gesprächskontext selbst Teil des Werbeumfelds wird.
Neben Targeting und Reichweite entscheidet vor allem die Werberichtlinie darüber, ob sich ein Test für Ihr Unternehmen überhaupt eignet. Außerhalb der USA sind Finanz-, Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen aktuell von der Werbung auf ChatGPT ausgeschlossen. Erlaubt sind unter anderem Haushalts- und Konsumgüter, lokale Dienstleistungen, Reisen, Unterhaltung, digitale Produkte und Bildung. OpenAI kündigt an, den Kreis zulässiger Kategorien im Zeitverlauf zu erweitern, sobald Prüfsysteme und Compliance-Infrastruktur weiter ausgereift sind.
Dazu kommt: Für den deutschen Markt gibt es noch kaum belastbare Werte zu Klickpreisen, Impressionspreisen oder Conversion Rates. Wer mit denselben Erwartungen wie bei Google Ads plant, könnte von den ersten Ergebnissen enttäuscht sein – nicht, weil der Kanal grundsätzlich nicht funktioniert, sondern weil die Vergleichsbasis fehlt. Der Kanal befindet sich in einer frühen Beta-Phase, in der sich Funktionen und Targeting-Möglichkeiten vergleichsweise schnell verändern können.
In der Praxis zeigen sich bei einem neuen Kanal wie diesem häufig ähnliche Muster.
Aus diesen Fehlern ergeben sich klare Prinzipien für einen sinnvollen ersten Test.
ChatGPT Ads ist aktuell weder ein ausgereifter Performance-Kanal noch bloßer Hype. Das Potenzial liegt vor allem in der Umgebung: Menschen formulieren ihre Fragen und Probleme in einer Unterhaltung häufig ausführlicher als bei einer klassischen Suchanfrage. Dadurch kann Werbung in einen bereits laufenden Recherche- oder Entscheidungsprozess eingebettet werden – mit einem Kontext, der über ein einzelnes Keyword hinausgeht.
Gleichzeitig bleiben die Einschränkungen bestehen: Die erreichbare Zielgruppe ist durch die werbefinanzierten Tarife begrenzt, das Targeting ist außerhalb der USA vergleichsweise grob und für den deutschen Markt fehlen belastbare Benchmarks. Wie sich der Kanal langfristig entwickelt, lässt sich heute noch nicht seriös beurteilen.
In unserer Arbeit mit PPC-Kund:innen zeigt sich: ChatGPT Ads eignet sich in Deutschland aktuell vor allem als Testfeld für einen neuen Paid-Media-Ansatz – mit klarem Lernziel, überschaubarem Budget und ausreichend Zeit für belastbare erste Daten. Der Kanal steht hierzulande noch am Anfang. Deshalb gilt vor allem: realistische Erwartungen statt schneller Vergleiche mit Google Ads.
Wer lediglich bestehende Google-Ads-Kampagnen überträgt, Keywords in Context Hints übersetzt und dieselben Landingpages verwendet, nutzt die Möglichkeiten des neuen Kanals nicht vollständig aus. Die entscheidende Frage lautet nicht „Wie spiele ich meine Google-Ads-Kampagne auch auf ChatGPT aus?“, sondern: In welchen Situationen und bei welchen Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe kann Ihr Angebot über den Gesprächskontext relevant werden?
Ja. Seit dem 31. August 2026 können Werbetreibende in Deutschland über den Self-Service-Zugang im Ads Manager eigene Kampagnen anlegen.
Context Hints beschreiben Themen, Situationen und Gesprächskontexte, in denen ein Angebot relevant sein könnte. Sie garantieren jedoch keine Auslieferung bei einem bestimmten Begriff wie klassische Keywords.
Aktuell werden Anzeigen vor allem Nutzer:innen der werbefinanzierten Tarife Free und Go ausgespielt. Die kostenpflichtigen Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei.
Nein. Außerhalb der USA sind unter anderem Finanz-, Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen aktuell ausgeschlossen. Erlaubt sind zum Beispiel Haushalts- und Konsumgüter, lokale Dienstleistungen, Reisen, Unterhaltung, digitale Produkte und Bildung.
Nach aktuellem Stand nicht. Der Kanal eignet sich vor allem als Ergänzung und Testfeld, nicht als kurzfristiger Ersatz für etablierte Paid-Media-Kanäle.